Trutzburg in der Diaspora: Kath. St. Raphael-Kirche Wolfsburg

Die St.-Raphael-Kirche in Wolfsburg, Foto: U. Knufinke
In direkter Nähe zum Detmeroder Einkaufszentrum und der Stephanuskirche wurde für die katholische Gemeinde ein Zentrum errichtet, nachdem deren Gottesdienste zuvor in einer Garage stattfanden. Der Bau führte in der Folge zu einem Anwachsen der Gemeinde.

Kirche und Gemeindezentrum mit Pfarrhaus, Gemeindehaus, Altenbegegnungsstätte, Bibliothek und Kindergarten gruppieren sich locker um einen Platz, der von verschiedenen Seiten erreicht werden kann. Die Kirche auf wabenartigem Grundriss nimmt mit ihrer geschlossenen Fassade eine markante Eckposition an der Straße an. Eine turmartige Struktur trägt das weithin sichtbare Metallkreuz. Die Kirche ist u. a. wegen ihres neuen Raumkonzepts bedeutsam: Als eine der ersten griff sie die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) auf und stellte den Altar auf einer „Insel“ frei in den Raum. Konsequent wendet sich der Priester somit der Gemeinde zu. Eine schlichte Bleiverglasung aus Industriegläsern trägt zur Stimmung im Raum bei. Der Eindruck des ursprünglich steinsichtigen Mauerwerks mit dunklen Fugen und roh belassenen Sichtbetonteilen ist inzwischen durch einen Farbanstrich stark verändert.


Foto: U. Knufinke
Toni Hermanns gewann im Laufe seines Wirkens über 40 Wettbewerbe, viele davon im Kirchenbau, den er zumeist in roten Ziegelfassaden ausführte. St. Raphael stellt also einen Sonderfall in seinem Werk dar, jedoch war hier sein Sohn Hannes Hermanns maßgeblich am Entwurf beteiligt. Die Ausstattungsobjekte schufen verschiedene Künstler – Kreuz, Altar und Ambo (gestaltet von Hanns Klug) bilden eine künstlerische Einheit. Der skulpturale Anspruch des Ensembles macht die Anlage zu einem bemerkenswerten Beispiel der Architektur ihrer Zeit.
Foto: U. Knufinke

Daten & Fakten
Adresse: John-F.-Kennedy-Allee 7, 38444 Wolfsburg
Planungszeit: 1969–72
Bauzeit: 1971–73
Eröffnung: 3. Juni 1973
Architekt: Toni Hermanns (1915–2007) unter Mitarbeit seines Sohnes Hannes Hermanns, Kleve
Auftraggeber: Bistum Hildesheim
Baukosten: unbekannt
Bauart: Kalksandsteinmauerwerk und Betonfertigteile
Denkmalschutz: Baudenkmal (Eintrag 9. Juli 2014)

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