Kultur für alle: Stadthalle Braunschweig

Stadthalle Braunschweig, ca. 1965, ©Stadthalle Braunschweig
Ein multifunktionales Veranstaltungsgebäude wurde in Braunschweig dringend benötigt, nachdem im Zweiten Weltkrieg die meisten Saalbauten zerstört worden waren.

Für Braunschweig entwarfen die Wettbewerbsgewinner Heido Stumpf und Peter Voigtländer einen vieleckigen Baukörper aus Sichtbeton, Waschbeton-Elementen und dunkel gerahmten Fensterbändern, die Dächer der beiden Säle sind mit Kupferblech verkleidet. Tiefe Rücksprünge und raue Oberflächen verleihen dem Bau eine stark plastische Wirkung von besonderem Reiz. Der Komplex enthält einen großen Saal, einen kleinen Saal und Konferenzräume mit insgesamt fast 3.000 Plätzen sowie ein Restaurant. Die Räume sind durch Foyers „organisch“ miteinander verknüpft und folgen einem Grundriss-Raster aus gleichseitigen Dreiecken. Dies führt bisweilen zu unglücklichen Raumsituationen – z.B. zu Treppen, die auf die Geländer zulaufen, oder zu nicht nutzbaren Winkeln. Die sonst funktionell optimierten Raum- und Wegbeziehungen ermöglichen eine variable Nutzung.


© U. Knufinke, 2014
In der Nachbarschaft des neuen Hauptbahnhofs und der Bauten an der neuen Kurt-Schumacher-Straße setzte Braunschweig mit der Stadthalle ein weiteres Zeichen des Aufbruchs. Wie eine Bauskulptur erhebt sich der Hallenbau ausdrucksstark auf einem freien Platz, ohne sich an die angrenzende ältere Bebauung anzugliedern. Im Stadtraum isoliert, aber „autogerecht“ erschlossen (vielspurige Straßen, Parkpalette), ist das neue Zentrum bürgerlicher Kultur und Unterhaltung nicht mehr Etappe urbanen Flanierens, sondern erfordert eine gezielte Anfahrt. Abgesehen vom nachträglich installierten Vordach ist das Äußere weitgehend original erhalten. Innen haben technische und modische Neuerungen den ursprünglichen Zustand zwar verändert, aber die „gehobene Stimmung“ des Mehrzweckgebäudes als Ort der Kommunikation und Unterhaltung nicht geschmälert. Die Bürogemeinschaft Voigtländer und Stumpf war zuvor an der Mercator-Halle in Duisburg beteiligt (1962, abgerissen 2005). Peter Voigtländer starb am 7. Juli 1965 – noch vor Fertigstellung des Projekts – bei einem Autounfall auf dem Weg nach Braunschweig.


© U. Knufinke, 2014
Daten & Fakten
Adresse: Leonhardplatz, 38102 Braunschweig
Planungszeit: 1960–62 (Wettbewerb 1961)
Bauzeit: Oktober 1962–August 1965
Eröffnung: 4. September 1965
Architekt: Heido Stumpf (1928–1993) und Peter Voigtländer (1928?–1965), Duisburg
Auftraggeber: Stadt Braunschweig
Baukosten: 22 Mio. DM (mit Außenanlagen und Parkdeck)
Bauart: Stahlbetonkonstruktion, mit Waschbeton verkleidet
Denkmalschutz: Baudenkmal (Eintrag 25. Oktober 2017)

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