Investition in die Zukunft: Pianofortemanufaktur Grotrian-Steinweg

Heinrich Heidersberger, #1145_3 Grotrian und Steinweg, Braunschweig 1975, Institut Heidersberger, www.heidersberger.de
Seit 1890 bestand die Klavier- und Flügelmanufaktur in mehrgeschossigen Gebäuden in der Zimmerstraße/Bültenweg. Zur Vergrößerung und vor allem zur Optimierung des Produktionsablaufs verlegte man sie an den Stadtrand.
Walter Henn vereinte alle Funktionen in einem komplexen Baukörper. Um die große zentrale Werkhalle gruppieren sich kleinere Werkstätten und Lager, aber auch eine Werkskantine, Büros und ein kleiner Konzertsaal. Die höchst unterschiedlichen Funktionen sind in einem äußerlich vollkommen schlichten, aber gut proportionierten Baukörper untergebracht. Die inneren Abläufe spiegeln sich in der Gestaltung der Fassaden mit Fensterbändern und Toren wider. Akzente setzen Vordächer und Schatten spendende Elemente oder ein Schornstein, der wie ein Signalmast aufragt.


Foto: A. Bormann, 2018
Der Architekt und Braunschweiger Hochschulprofessor Walter Henn gehörte zu den führenden Industriearchitekten der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und war ein wichtiger Lehrer der Braunschweiger Schule. Mit seinen Bauten und Veröffentlichungen strebte er eine sachliche, an den Arbeitsabläufen der industriellen Produktion orientierte Architektur an. Gleichzeitig sollten die Bauten den Menschen möglichst gute Arbeitsbedingungen bieten. Die in nur elf Monaten errichtete Klavierfabrik ist ein Beispiel für diese Idee. Die komplexen, von handwerklicher Arbeit geprägten Produktionsabläufe zum Bau hochwertiger Klaviere und Flügel finden in einer Werksanlage statt, die wie eine große Maschine funktioniert und deren variable Anpassungsfähigkeit sich bis heute bewährt.


Heinrich Heidersberger, #1145_4 Grotrian und Steinweg, Braunschweig 1975, Institut Heidersberger, www.heidersberger.de

Daten & Fakten
Adresse: Grotrian-Steinweg-Straße 2, 38112 Braunschweig-Veltenhof
Planungszeit: Ende 1968–1973
Bauzeit: Oktober 1973 – August 1974
Eröffnung: 31. August 1974
Architekten: Henn & Petersen: Walter Henn (1912–2006) und Hans-Thomas Petersen (1935 geb.), Braunschweig
Auftraggeber: Pianofortefabrikant Grotrian-Steinweg
Baukosten: ca. 11 Mio. DM
Bauart: Stahlskelettbau mit Mauerwerksausfachungen
Denkmalschutz: Denkmaleigenschaft bisher nicht geprüft

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