Ein Platz für Studierende: Das Studentenwohnheim Rebenring ("Affenfelsen")

Foto: Andreas Bormann, 2018
Ursprünglich war der Bau eines Parkhauses für das Studentenwerk geplant, den Wettbewerb dazu gewannen die Architekten Giesler + Giesler + Partner. Die jungen Absolventen der TU Braunschweig gaben den Mangel an Wohnräumen für Studenten zu bedenken und erhielten daraufhin den Auftrag, zusätzlich ein Studentenwohnheim auf das Parkhaus zu planen.

Die Anlage bildet einen zusammenhängenden, bis zu 14-geschossigen Baukörper, der sich in vier Häuser gliedert. Die unteren drei Ebenen sind Parkgeschosse. Das Wohnheim darüber hat 672 Wohneinheiten – unterteilt in 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen mit insgesamt 23 unterschiedlichen Grundrisstypen. Die organische Auffaltung der Wandflächen sollte dem Schutz vor Einblicken und gleichzeitig einer besseren Belichtung dienen. Nach Süden treppt sich der Bau geschossweise ab. Die Terrassen auf dem Dach der Parkgeschosse bilden große bepflanzte Bereiche und sollten der Freizeitgestaltung dienen. Ebenso gab es in jedem Haus Gemeinschaftsräume.
Ein typisches Zimmer im Wohnheim in den 70er Jahren. Foto: A. Bormann, 2018
Der durch die Auffaltung der Fassaden wie modelliert wirkende Komplex ist mit seinen Sichtbetonfassaden ein Beispiel für den Brutalismus. Gestalt und Material brachten ihm den Namen „Affenfelsen“ ein, wie übrigens auch Wohnhäuser in Marburg, Hamburg, Niendorf und Osdorf sowie das Rathaus in Bamberg aufgrund ihrer Gebäudeform genannt wurden. Berühmt waren die Nasszellen aus vorgefertigtem Acrylglas, in denen Dusche, WC, Waschbecken, Papierrollenhalter, Spiegel und Aschenbecher eine Einheit bildeten. 2014–17 wurde das Studentenwohnheim für 37 Mio. Euro aufwändig modernisiert und umgebaut. Zu besichtigen ist auf Nachfrage aber ein als „Appartment Typ 3“ (3,40 x 4,57 m) nachgebauter Raum, der noch die originale Ausstattung zeigt.
Die "Nasszelle", Foto: A. Bormann, 2018
Daten & Fakten
Adresse: Rebenring 61–64, 38106 Braunschweig
Planungszeit: 1972–74
Bauzeit: 1974–76
Eröffnung: März 1976 (Erster Bezugstermin)
Architekt: Architekten und Ingenieure Giesler + Giesler + Partner; Mitarbeit: Dipl.-Ing. D. Göbel,
Ing. grad. H. D. Haak (Projektleitung)
Auftraggeber: Studentenwerk Braunschweig
Baukosten: ca. 25 Mio. DM
Bauart: Ortbeton (Parkgeschosse) und Stahlbetonfertigteile (Wohngeschosse)
Denkmalschutz: Denkmaleigenschaft bisher nicht geprüft

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