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Architektur des Geldes: Braunschweigische Landessparkasse

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Das alte Bahnhofsgebäude (Carl Theodor Ottmer, 1843–45) verlor mit der Verlegung des Hauptbahnhofs 1960 seine Funktion. 1961 erwarb die Braunschweigische Staatsbank (heute Braunschweigische Landessparkasse) das Gelände und brach den Bahnhof fast vollständig ab – nur die Hauptfassade blieb in ihren Grundzügen erhalten. Nach einem Wettbewerb beauftragte man die Architektengemeinschaft Westermann-Scherer-Fischer-Schaefer mit dem Bau des Ensembles, bestehend aus einem Hochhaus und niedrigeren Bauten (1972–75).

Der alte Bahnhof enthält repräsentative Räume für das Direktorium, Wirtschaftsräume und Büros. Nur die Hauptfront und die Seitenrisalite blieben erhalten, das Innere und die Rückseite wurden vollständig neu gestaltet. Im Erdgeschoss befindet sich eine großzügige Eingangshalle, in der Etage darüber liegen die Räume des Direktoriums. Neben und hinter dem Bau entstanden lagernde Neubauten mit Aluminium-Glas-Vorhangfassade sowie ein 15-stöckiges Hochhaus, das ein starkes vertikales Gegen…

Fortschrittliche Schulen: Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule in Wolfsburg

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Für die neuen Stadtteile Detmerode und Westhagen wollte man die nötigen höheren Schulen in einem Schulzentrum zusammenfassen. Anfangs waren ein Gymnasium und eine Realschule geplant, eine Hauptschule sollte später hinzukommen. Im Sommer 1971 wurden die Schulen unter dem Namen Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule zu einer der ersten Integrierten Gesamtschulen Niedersachsens – als Modellversuch – zusammengeführt.
Der Entwurf gruppierte verschiedene Klassentrakte, Sporthallen und gestaltete Freiflächen zu einer Gesamtanlage. Neben den Klassenräumen erhielt die Schule für das angestrebte Ganztagsangebot zahlreiche, seinerzeit innovative Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Mensa, eine Bibliothek, mehrere Aufenthaltsbereiche und – etwas abseits aber typisch für die Zeit – eine Open-air-Rednerkanzel. Eine weitere Besonderheit war damals, dass alle Schüler über ein Schließfach verfügten, sodass sie ihre Schulsachen nicht mit nach Hause nehmen mussten.


Sichtbeton, der ursprünglich nicht angestrichen w…

Voller Zuversicht: Institut für Kolbenmaschinen und Pfleiderer-Institut für Strömungsmaschinen

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Der Entwurf wurde durch die Bedürfnisse der beiden Institute und die unterschiedlichen Anforderungen ihrer Versuchsaufbauten bestimmt. Das Institut für Kolbenmaschinen, das Versuche an Motoren durchführt, legte besonderen Wert auf Schalldämmung und die Luft-Zufuhr und Absaugung der Abluft. Das Institut für Strömungsmaschinen benötigte eher variabel nutzbare Räume.

Henn gliederte die Anlage in drei Gebäude: Im dreigeschossigen Verwaltungsgebäude wurden Büroräume der beiden Institute untergebracht (Kolbenmaschinen im Erd- und Pfleiderer-Institut für Strömungsmaschinen im Obergeschoss). Darüber lagen ein Seminarraum mit 40 Plätzen und ein
Arbeitssaal für Studierende. Die Versuchshalle des Pfleiderer-Instituts war über ein verglastes Treppenhaus angeschlossen; rückwärtig lag die Halle des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen. Beide Hallen erhielten eine Thermolux-Verglasung, bei der eine zwischen zwei Glasplatten gelegte Glasfasermatte den Lichteinfall bricht und eine blendfreie Belicht…

Guten Hunger ... Mahlzeit! Werksgasthaus im Stahlwerk Peine

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1970 fusionierte die Ilseder Hütte, Peine, mit dem Hüttenwerk Salzgitter. Um die Arbeitsbedingungen in den Werken anzugleichen, mussten für die Standorte Peine und Ilsede neue Essensausgabestellen eingerichtet werden.

Im Erdgeschoss des Gebäudes befanden sich separate Eingangshallen für Mitarbeiter und Gäste, ein Café sowie Nebenräume (Waschräume, WC, Kühlraum und Warenannahme). Das auf allen Seiten um je 5 m auskragende Obergeschoss beinhaltete den großen Speisesaal für bis zu 500 Personen (täglich sollten bis zu 2.500 Essen ausgegeben werden), die Großküche und drei Gästeräume für bis zu 100 Personen mit kleiner Empfangshalle. Der Grundriss basiert auf einem Raster mit 12 m Abstand, in dem die Stahlstützen platziert sind. Die Räume sind weitgehend unabhängig vom Konstruktionsraster angelegt.


Trotz der Größe des Gebäudes und seiner streng strukturierten Gestalt sollte durch Materialien eine Atmosphäre geschaffen werden, in der man sich wohlfühlen konnte. Die rote Backsteinwand mit fast…

Investition in die Zukunft: Pianofortemanufaktur Grotrian-Steinweg

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Seit 1890 bestand die Klavier- und Flügelmanufaktur in mehrgeschossigen Gebäuden in der Zimmerstraße/Bültenweg. Zur Vergrößerung und vor allem zur Optimierung des Produktionsablaufs verlegte man sie an den Stadtrand.
Walter Henn vereinte alle Funktionen in einem komplexen Baukörper. Um die große zentrale Werkhalle gruppieren sich kleinere Werkstätten und Lager, aber auch eine Werkskantine, Büros und ein kleiner Konzertsaal. Die höchst unterschiedlichen Funktionen sind in einem äußerlich vollkommen schlichten, aber gut proportionierten Baukörper untergebracht. Die inneren Abläufe spiegeln sich in der Gestaltung der Fassaden mit Fensterbändern und Toren wider. Akzente setzen Vordächer und Schatten spendende Elemente oder ein Schornstein, der wie ein Signalmast aufragt.


Der Architekt und Braunschweiger Hochschulprofessor Walter Henn gehörte zu den führenden Industriearchitekten der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und war ein wichtiger Lehrer der Braunschweiger Schule. Mit seinen Baut…

Auf der grünen Wiese: Terrassenhäuser in Wolfsburg-Westhagen

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Zu den wichtigsten Aufgaben des Städtebaus der 1960er- und 70er-Jahre gehörte der Bau von Großwohnsiedlungen. Der Wolfsburger Stadtteil Westhagen ist eine der „Trabantenstädte“, in denen Wohnraum für die rasant angewachsene Bevölkerung der „Volkswagenstadt“ geschaffen wurde. Seine kettenförmigen, bis zu 16–geschossigen Mehrfamilienhäuser bilden eigenständige, dichte Strukturen mit meist monotoner Fassadengestaltung. Eine Ausnahme sind die Terrassenhäuser des Architektenpaares
Spengelin.

Die verschachtelten Terrassenhäuser vereinen unterschiedliche Wohnungsgrößen und -formen in komplexen „Wohnmaschinen“. „Häuser im Haus“ nannte das Ehepaar Spengelin seine Idee, unter einem Dach Wohnraum für Einzelpersonen, Paare, kleine und größere Familien zu schaffen und so ein Zusammenleben in Vielfalt zu ermöglichen. Mit Balkonen, Terrassen und kleinen Gartenhöfen entstanden geschützte, grüne Freiräume. Freistehende Treppentürme und offene Laubengänge dienen der Erschließung. Auch die Kombination aus…

Kultur für alle: Stadthalle Braunschweig

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Ein multifunktionales Veranstaltungsgebäude wurde in Braunschweig dringend benötigt, nachdem im Zweiten Weltkrieg die meisten Saalbauten zerstört worden waren.

Für Braunschweig entwarfen die Wettbewerbsgewinner Heido Stumpf und Peter Voigtländer einen vieleckigen Baukörper aus Sichtbeton, Waschbeton-Elementen und dunkel gerahmten Fensterbändern, die Dächer der beiden Säle sind mit Kupferblech verkleidet. Tiefe Rücksprünge und raue Oberflächen verleihen dem Bau eine stark plastische Wirkung von besonderem Reiz. Der Komplex enthält einen großen Saal, einen kleinen Saal und Konferenzräume mit insgesamt fast 3.000 Plätzen sowie ein Restaurant. Die Räume sind durch Foyers „organisch“ miteinander verknüpft und folgen einem Grundriss-Raster aus gleichseitigen Dreiecken. Dies führt bisweilen zu unglücklichen Raumsituationen – z.B. zu Treppen, die auf die Geländer zulaufen, oder zu nicht nutzbaren Winkeln. Die sonst funktionell optimierten Raum- und Wegbeziehungen ermöglichen eine variable Nutz…