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Kultur für alle: Stadthalle Braunschweig

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Ein multifunktionales Veranstaltungsgebäude wurde in Braunschweig dringend benötigt, nachdem im Zweiten Weltkrieg die meisten Saalbauten zerstört worden waren.

Für Braunschweig entwarfen die Wettbewerbsgewinner Heido Stumpf und Peter Voigtländer einen vieleckigen Baukörper aus Sichtbeton, Waschbeton-Elementen und dunkel gerahmten Fensterbändern, die Dächer der beiden Säle sind mit Kupferblech verkleidet. Tiefe Rücksprünge und raue Oberflächen verleihen dem Bau eine stark plastische Wirkung von besonderem Reiz. Der Komplex enthält einen großen Saal, einen kleinen Saal und Konferenzräume mit insgesamt fast 3.000 Plätzen sowie ein Restaurant. Die Räume sind durch Foyers „organisch“ miteinander verknüpft und folgen einem Grundriss-Raster aus gleichseitigen Dreiecken. Dies führt bisweilen zu unglücklichen Raumsituationen – z.B. zu Treppen, die auf die Geländer zulaufen, oder zu nicht nutzbaren Winkeln. Die sonst funktionell optimierten Raum- und Wegbeziehungen ermöglichen eine variable Nutz…

Trutzburg in der Diaspora: Kath. St. Raphael-Kirche Wolfsburg

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In direkter Nähe zum Detmeroder Einkaufszentrum und der Stephanuskirche wurde für die katholische Gemeinde ein Zentrum errichtet, nachdem deren Gottesdienste zuvor in einer Garage stattfanden. Der Bau führte in der Folge zu einem Anwachsen der Gemeinde.

Kirche und Gemeindezentrum mit Pfarrhaus, Gemeindehaus, Altenbegegnungsstätte, Bibliothek und Kindergarten gruppieren sich locker um einen Platz, der von verschiedenen Seiten erreicht werden kann. Die Kirche auf wabenartigem Grundriss nimmt mit ihrer geschlossenen Fassade eine markante Eckposition an der Straße an. Eine turmartige Struktur trägt das weithin sichtbare Metallkreuz. Die Kirche ist u. a. wegen ihres neuen Raumkonzepts bedeutsam: Als eine der ersten griff sie die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) auf und stellte den Altar auf einer „Insel“ frei in den Raum. Konsequent wendet sich der Priester somit der Gemeinde zu. Eine schlichte Bleiverglasung aus Industriegläsern trägt zur Stimmung im Raum bei. Der…

Versöhnliche Moderne: Warenhaus Karstadt am Gewandhaus

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Im historischen Zentrum Braunschweigs, zwischen Altstadtmarkt und Kohlmarkt, sollte ein großes Warenhaus entstehen. Gottfried Böhm gewann den Architektenwettbewerb, an dem auch einige bedeutende Braunschweiger Architekten teilgenommen hatten, mit einem in dieser Zeit ungewöhnlichen Entwurf. Der Neubau fiel in die Zeit der Fusion von Neckermann mit Karstadt (1977/78).

In ihrer kleinteiligen Gliederung nehmen die Fronten der Obergeschosse des Warenhauses Bezug auf den 400 Jahre alten Giebel des benachbarten Gewandhauses – eines der wichtigsten Zeugnisse der Renaissance-Architektur in der Region. Die mit dunklen Dachziegeln verkleideten, vorkragenden Fassadenelemente passen das Gebäude den Dimensionen der Nachbarschaft an, während im Inneren über fünf Geschosse große Verkaufsflächen entstehen.

Gottfried Böhm war in den 1950er- und 60er-Jahren vor allem als Architekt ausdrucksstarker Kirchen aus Beton berühmt geworden. Als erster Deutscher erhielt er den Pritzker-Preis – den „Nobel-Preis“ f…

Ort der gelebten Demokratie: Das Rathaus Salzgitter

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17 Jahre nach der Stadtgründung am 1. April 1942 erfolgte die Grundsteinlegung zum Rathaus. Ähnlich wie in Wolfsburg stand man vor der Aufgabe, der wachsenden industriellen Siedlung „ohne Geschichte“ ein urbanes Gesicht zu geben. Das neue Rathaus sollte nicht nur den Gremien und der Verwaltung Raum bieten, sondern auch die neue Demokratie verkörpern. Ratssitzungen fanden zuvor an wechselnden Orten und sogar in Privathäusern statt. Die Verwaltung war an mehreren Standorten in Wohnblöcken, Baracken und ausgebauten Scheunen untergebracht. Am 1955 ausgeschriebenen Wettbewerb nahmen acht Architekturbüros teil; den 1. Preis erhielt die Architektengemeinschaft Witte–Brettschneider–Laessig–Kärst aus Hannover.

Das Rathaus besteht aus einem Trakt mit Foyer und Ratssaal, einem zweigeschossigen Bauteil mit Atrium und einem Scheibenhochhaus. Der in den Vorplatz geschobene Ratssaal im Obergeschoss – über dem Haupteingang – öffnet sich mit verglasten Flächen zur Stadt: Es galt die Devise, Demokratie …

Ein Platz für Studierende: Das Studentenwohnheim Rebenring ("Affenfelsen")

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Ursprünglich war der Bau eines Parkhauses für das Studentenwerk geplant, den Wettbewerb dazu gewannen die Architekten Giesler + Giesler + Partner. Die jungen Absolventen der TU Braunschweig gaben den Mangel an Wohnräumen für Studenten zu bedenken und erhielten daraufhin den Auftrag, zusätzlich ein Studentenwohnheim auf das Parkhaus zu planen.

Die Anlage bildet einen zusammenhängenden, bis zu 14-geschossigen Baukörper, der sich in vier Häuser gliedert. Die unteren drei Ebenen sind Parkgeschosse. Das Wohnheim darüber hat 672 Wohneinheiten – unterteilt in 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen mit insgesamt 23 unterschiedlichen Grundrisstypen. Die organische Auffaltung der Wandflächen sollte dem Schutz vor Einblicken und gleichzeitig einer besseren Belichtung dienen. Nach Süden treppt sich der Bau geschossweise ab. Die Terrassen auf dem Dach der Parkgeschosse bilden große bepflanzte Bereiche und sollten der Freizeitgestaltung dienen. Ebenso gab es in jedem Haus Gemeinschaftsräume.
Der durch die Auffalt…

Kultur im Einklang: Theater Wolfsburg

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Schon 1954 gab es Pläne für einen Theaterbau. Aber erst 1965 veranstaltete die rasch wachsende Industriestadt Wolfsburg einen internationalen Architektenwettbewerb für ein neues Theater auf dem Klieversberg. Zu den Teilnehmern gehörte nicht nur der Berliner Hans Scharoun, dessen Philharmonie gerade fertig gestellt wurde, sondern auch der Finne Alvar Aalto (siehe Stephanuskirche) und der Däne Jørn Utzon, der das Opernhaus in Sydney entworfen hatte – drei international bekannte Namen.

Der ursprüngliche Entwurf Scharouns musste wegen finanzieller Probleme stark verkleinert werden. Der geschlossene Baukörper des Zuschauer- und Bühnenhauses überragt das flache, lang gestreckte Foyer mit seinen gefalteten Dächern. Vom Foyer aus gelangt man in den rund 800 Personen fassenden Zuschauerraum mit flach ansteigendem Parkett und einem steilen Rang unter einer gestuften Decke. Die Töne der hölzernen Wandverkleidungen und des Gestühls verleihen dem Raum trotz seiner Größe eine warme und intime Atmosp…

Kontrolle ist besser: Institut für Statik und Stahlbau, Technische Universität Braunschweig

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Mit dem Ausbau des Ostgebiets der Technischen Universität entstanden ab den frühen 1950er-Jahren mehrere Institutsbauten mit Versuchshallen, Laboratorien, etc. nach dem modernsten Stand der Technik. Strizic erstellte im Vorfeld eine städteplanerische Studie für den Ostcampus.
Zdenko von Strizic trennte in seinem Entwurf den Verwaltungs- und Lehrbereich von den Versuchshallen, um akustische Störungen zu vermeiden. Dazwischen ist ein halboffener bepflanzter Hof eingeschaltet; ein niedriger Zwischentrakt verbindet die Verwaltung mit den beiden Hallen, die durch Schiebetore voneinander getrennt werden können. Im Erdgeschoss des Verwaltungsbaus befindet sich ein Seminarraum, die Eingangshalle und ehemals Räume für Rechenmaschinen. In den Etagen darüber sind die Institute untergebracht: das Institut für Stahlbeton im 1. und das Institut für Statik im 2. Obergeschoss. Sie bezogen den Neubau 1973 unter erheblichen Bedenken wegen „mangelhafter Schalldämmwerte“.
Konstruktiv sollte ein ungewöhnlic…